Ein Gastartikel von Susanne Ertle, Autorin, Stress- und Burnoutpräventionsberaterin und Mutter.

Mein Traum als Schwangere von meiner eigenen heilen Familie, also Mutter, Kind UND Vater war so groß, dass ich mich selbst schon nur für eine leise Chance dafür opferte.

Alles war großartig bis zu dem Tag, als ich herausfand, dass sich mein Partner im Chat mit einer anderen Frau zu einem erotischen Picknick verabredete. Da dies jedoch nicht zustande kam, nur blödes Rumgeflirte war und ohnehin „nichts passiert ist“, wäre es schon sehr bescheuert gewesen, gleich mein Traumleben hinzuwerfen. Was soll´s! So ein Streit in der Anfangsphase einer Schwangerschaft, bei dem beiden wieder bewusst wird, wie sehr sie sich doch lieben und was alles auf dem Spiel steht, kann schließlich auch sehr heilsam sein… Bis zum nächsten Streit, darauf folgend der nächste Zank, vielen Aussprachen und dem ständigen Irrglauben „Jetzt hat er es aber wirklich kapiert“.

Was passiert da?

Du gibst ständig nach.

Du kommst deinem Partner dauernd entgegen.

Du unterdrückst deine eigene Wut.

Du zeigst dennoch Verständnis.

Du spürst, dass er es eben doch nicht gecheckt hat.

Leise Stimmen in deinem Kopf fangen an, dich negativ zu beeinflussen: „Wenn ich jetzt gehe, wer soll dann die Familie versorgen? Wer bringt dann das Geld heim? Ich kann das alles nicht alleine schaffen.“

Auf deine Drohungen lässt du keine Konsequenzen folgen.

Dir geht es schlecht.

Du suchst nach Erklärungen dafür – in seinem Handy, in seinen Chats, überall, worauf du Zugriff hast.

Du liest wieder Dinge, bei denen zwar nichts passiert, sie dich aber total verletzen.

Du willst nicht noch mehr Benzin ins Feuer gießen und hältst deine Klappe.

Aber wissen willst du trotzdem alles. Schließlich bist du keine von denen, die zu blöd war, es nicht zu sehen, obwohl es allen anderen klar war.

Darum verschaffst du dir Zugang zu den bislang verborgenen Abgründen.

Die leisen Stimmen werden zu einem donnernden Kopfkino, welches permanent auf dich einprasselt.

Doch du sitzt schon so tief im Dilemma drin, dass du keinen Ausweg mehr siehst.

Wenn dein Partner gut drauf ist, geht es dir auch gut.

Wenn dein Partner mies gelaunt ist, geht es dir noch mieser.

Darum tust du alles dafür, dass ER gut gelaunt ist, bleibt oder wird. Denn nur dann geht es auch dir selbst nicht so schlecht wie sonst.

Doch umso länger du dich selbst verrätst,  umso schlechter geht es dir trotzdem.

Du sitzt in der Zwickmühle, siehst keinen Ausweg mehr.

Du willst keine schlechte Mutter sein, fühlst dich aber so.

Du willst keine Furie an Partnerin sein, aber der brodelnde Vulkan in dir ist so aktiv, dass du es jederzeit völlig unkontrolliert bereits bist.

Die einzige Möglichkeit, die du für das Traumleben noch siehst, ist, wenigstens deinem Kind und deinem Partner genau das zu ermöglichen.

Wie?

Indem du dich bzw. deine Gefühle, die das Leid auslösen, vollständig „eliminierst“.

Herzlich Willkommen im Burnout, der Co-Abhängigkeit, Depression und der totalen Selbstaufgabe.

Ja, diese Entwicklungsschritte waren meine eigenen. Ich befand mich in diesem Zustand der völligen Leere und des Ausgebranntseins. Meine Beziehung war nur noch ein Trümmerhaufen. Und ich ließ es zu, dass meine Schwangerschaft dadurch völlig überschattet wurde. Aber ich fand auch wieder einen Weg heraus!

Meine Wende begann mit der Geburt unseres Sohnes. Ich fühlte erstmalig wieder meinen Körper und auch Emotionen. Großartige Emotionen. Endlich verstand ich, was diese ominöse bedingungslose Liebe sein soll, von der immer alle sprachen. Sechs Wochen danach fand ich heraus, dass mein Partner im Kreißsaal einer anderen Frau schrieb: „Ich wäre jetzt lieber bei dir.“ Da es nun auch um meinen Sohn und sein Wohl ging, wollte ich ihm das nicht mehr verzeihen. Als ich bei einem erneuten Streit eine Wutspitze mit geballter Energie spürte, schrie ich ihn an und schickte ihn fort. Und mein Partner machte das für mich unglaubliche: Er ging einfach! Ich war völlig von den Socken und konnte es nicht fassen. Einfach so. Ohne Worte, ohne Erklärung, ohne um uns zu kämpfen. Und ich bin ihm noch heute so unglaublich dankbar dafür. <3

Zunächst begab ich mich gleich in die nächste Abhängigkeit – in die meines Sohnes. Denn er bestimmte meinen Tagesablauf. Er entschied, wann ich schlafen darf und wann ich aufstehen musste. Alles drehte sich um ihn. Es ging mir emotional schon besser, doch ich spürte schnell, wie meine anfängliche Kraft und Energie wieder weiter abnahmen. Mir wurde klar, wenn ich nicht gut für mich selbst sorge, werde ich auch nicht mehr lange für meinen Sohn sorgen können.

Um das Vergangene verstehen zu können, schrieb ich mein Erleben nieder. Dass das so heilsam sein würde, hätte ich nie gedacht. Mir wurde klar, dass ich mein Glück nicht von anderen abhängig machen darf und dass nur ich selbst entscheide, wie ich mich fühle. Doch erst während einer Ausbildung zur Stress- und Burnoutpräventionsberaterin erkannte ich: „Oh shit! Diese Verhaltensweisen, diese Muster, diese Symptome, all das war ja ich! Ich saß selbst mitten in einem Burnout und habe es nicht gemerkt.“ Da war mir klar, meine Geschichte will und darf ich nicht für mich behalten. Ich will sie veröffentlichen (im Buch „Burnout im Baby-Glück?“) und unbeschönigt darüber sprechen. Wenn ich damit nur eine einzige Person erreichen und zum Positiveren wenden kann, hat sich alles gelohnt.

Ich sehnte mich noch immer nach dieser einen heilen Familie. Aber ohne meine eigenen Werte dafür zu verraten. Meine absolute Klarheit ermöglichte es uns, heute allesamt wiedervereint zu sein. Ich lebe mit diesem Partner nun schon seit 1,5 Jahren wieder auf Augenhöhe zusammen. Aber eines ist mir vollkommen klar: Weder als Mama, noch als Partnerin oder in welcher Rolle auch immer werde ich mich verbiegen.

Ich bin Susanne Ertle, Autorin, Stress- und Burnoutpräventionsberaterin sowie Mutter. Ich liebe es anderen Müttern dabei zu helfen, verantwortungsbewusst für eigene Bedürfnisse einzustehen um das Leben ihrer Träume zu führen. Sollte das auch dein Wunsch sein, oder möchtest du Klarheit bekommen, dann freue ich mich, dich kennenzulernen.

Schreib mir gerne eine E-Mail an lernen@susanne-ertle.de oder vereinbare einen Termin für ein persönliches Gespräch unter https://susanne-ertle.youcanbook.me

Meine ausführliche persönliche Entwicklungsgeschichte und wie ich in diesen enormen Erschöpfungszustand geriet, findest du im Buch „Burnout im Baby-Glück?“ http://amzn.to/2jlLPc3

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